Architektur
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Status:abgeschlossen
Zeitraum:2024 (Fertigstellung August 2024, in Betrieb seit September 2024)
Ort:München, Fürstenried West
Auftraggeber:HINES Immobilien GmbH i. A. der Bayerischen Versorgungskammer (Generalübernehmung durch SSR)
Projektteam:Jan Kurz, Leila Unland, Sabrina Witzlau (SSR); Kollektiv Belwerk, Zimmerei Plan B (Umsetzungspartner)
Kollektiv BelwerkLink

DIREKT-RECYCLING: EIN KIOSK ALS PILOT FÜR DIE BAUWENDE

Pavillion aus wiederverwendeten Materialien für Fürstenried West

In der Siedlung Fürstenried West entstand in sechs Wochen ein Kiosk aus lokal wiederverwendeten Bauteilen. Er ist ein neuer sozialer Treffpunkt für das Quartier. Das Pilotprojekt zeigt, wie Direktrecycling und der gezielte Rückgriff auf Materialien aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu einem hochwertigen, ressourcenschonenden Bau führen können. Der Kiosk versteht sich als Beitrag zu einer Kultur des Weiterbauens.

Kiosk als Pilotprojekt für die Bauwende

Der Kiosk «Zur Fürstin» ist ein Pilotprojekt für das Direktrecycling im Bauwesen: 93 Prozent der verwendeten Materialien stammen aus einem Umkreis von 200 Metern. Rund 85 Prozent aus einem Rückbau, der nur 150 Meter entfernt lag.

Die wichtigste Quelle für Bauteile war ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren, das wegen eines Ersatzneubaus zum Abriss freigegeben war. Hinzu kamen Dachflächen, die für Aufstockungen vorbereitet wurden, sowie Fenster aus laufenden Fassadensanierungen. Auch Bäume, die ein Jahr zuvor für den Bau einer benachbarten Tiefgarage gefällt worden waren, wurden genutzt. Ein mobiles Sägewerk verarbeitete sie vor Ort zu tragenden Balken. So entstand aus vorhandenen „urbanen Minen“ ein Pavillon, der zeigt, wie sich die Bauwende konkret umsetzen lässt.

Materialquellen aus der Nachbarschaft

Gemeinsamer Pilot

Als Generalübernehmerin haben wir Entwurf, Planung und Umsetzung des Kiosks koordiniert. Nach der Sichtung der recycelten Materialien und einer gemeinsamen Begehung der Materialquellen entwickelten wir den Entwurf. Außerdem initiierten wir die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Belwerk und der Zimmerei Plan B. Beide ließen sich auf unser experimentelles Vorgehen ein und übernahmen die Werk- und Detailplanung.

Seit September 2024 betreiben wir den Kiosk mit unserem Stadtentwicklungsteam im Rahmen der sozialen Quartiersentwicklung. Inzwischen ist er fest im Alltag des Viertels verankert. Er ist ein wichtiger Ort der Begegnung, eingebettet zwischen bestehenden Bausteinen wie Hochbeeten, Nachbarschaftstreff und Mobilitätsstationen.

Vorher Nachher: Balkontüren werden zu Öffnungsflügeln der Fassade
Vorher Nachher: Elemente der Absturzsischerung werden zur Fassade
Vorher Nachher: Schranktüren werden zur Beplankung der Innenwände
Vorher Nachher: Attikableche werden zur Dachdeckung

Mit Vorhandenem weiterbauen

Aus den ausgebauten Bauteilen entstand ein Pavillon von hoher gestalterischer Qualität. Ehemalige Aluminium-Balkontüren fassen den Aufenthaltsraum und lassen sich vollständig öffnen. Ihre Türfälze wurden mit handwerklicher Präzision in tragende Eichen-stützen eingelassen und die ursprünglichen Scharniere wiederverwendet.

In den Fassadenfeldern finden sich PE-Platten und Aluminiumprofile ehemaliger Fensterbrüstungen. Eine frühere Treppenhausbrüstung wurde zur Theke und Attikableche zur Dachdeckung wiederverwendet. Die Stützen stehen betonfrei auf Stahlhülsen. Die Bauteile sind verschraubt oder lose gefügt. Der Kiosk lässt sich daher rückstandsfrei zurückbauen. Wiederverwendung und künftige Transformation sind so bereits in der Konstruktion angelegt.

Publikationen

Mehr zum sozialen Kontext des Standorts im Beitrag zum Projekt „Nachbarschaft Fürstenried West". Publikationen und Auszeichnungen zum Kiosk:
- Longlist BYAK Bauen im Bestand 2025
- Architektouren 2025
- Dienstagsreihe Coburg
- Heinze Baukultur