ArchitekturStadtentwicklung
Realisierung
Status:abgeschlossen
Zeitraum:2020-2022
Ort:München Gern
Auftraggeber:privat
Projektteam:Jan Kurz, Natalie Muhr, Eva-Maria Protzmann

Malsenstraße

Sanierung denkmalgeschütztes Stadthaus in Gern

Der verantwortungsvolle Umgang mit dem gebauten Bestand ist für uns eine zentrale Zukunftsaufgabe. Mit einfachen, gezielten und qualitätsvollen Maßnahmen lassen sich gewachsene Gebäude nachhaltig weiterentwickeln, ohne ihre Geschichte zu verlieren. Die Sanierung zeigt, wie ein über Generationen entstandenes Ensemble behutsam an heutige Anforderungen angepasst werden kann – ressourcenschonend und denkmalgerecht. So entsteht ein Ort, der Bestand wertschätzt und zugleich generationenübergreifendes Wohnen ermöglicht.

Wohnen über Generationen

Inmitten der denkmalgeschützten Anlage Neuwittelsbach in München-Gern liegt ein historisches Eckhaus mit reich gegliederter Putzfassade, das zusammen mit dem rückwärtigen ehemaligen Kutscherhaus ein kleines Ensemble bildet. Das Anwesen befindet sich seit vielen Generationen im Besitz einer Familie und wurde nun mit möglichst wenigen Eingriffen in die Substanz denkmalgerecht saniert und zugleich energetisch ertüchtigt.

Reparieren statt Ersetzen

Die vorhandene Substanz wird als Ressource verstanden, Reparatur und Anpassung haben Vorrang vor Erneuerung und Ersatz. Im Haupthaus werden die bislang ungedämmten Dachflächen saniert und die Heizungsanlage auf regenerative Energieträger umgestellt. Die historischen Fenster werden ertüchtigt, die Innenraumoberflächen behutsam renoviert. An der Treppe im Obergeschoss zeigte sich nach dem Entfernen des Teppichbelags, dass die ursprünglichen Eichenholzstufen durch Fichtenholz ersetzt worden waren. Statt die Stufen neu zu belegen, wurden diese erhalten und durch eine neue Farbgebung umgestaltet. Außen wird der bestehende Fassadenputz mit großer Sorgfalt instand gesetzt: Nicht mehr tragfähige Bereiche werden ausgebessert, während Faschen und Ornamente durch eine zurückhaltende Farbgebung wieder deutlicher hervortreten. Das im Garten gelegene ehemalige Kutscherhaus wird an die Bedürfnisse der älteren Generation angepasst – die Garage im Erdgeschoss wird zu Wohnraum umgebaut und die Wendeltreppe durch eine schmale Treppe ersetzt, die perspektivisch den Einbau eines Treppenlifts ermöglicht.

Qualität durch gezielte Eingriffe

Das Ergebnis ist ein nachhaltig saniertes Ensemble, das seine Geschichte lesbar bewahrt und gleichzeitig den heutigen Anforderungen an Wohnen, Energie und Denkmalschutz gerecht wird. Durch einfache bauliche Mittel, zurückhaltende Gestaltung und gezielte Eingriffe bleibt der Charakter des denkmalgeschützten Bestands erhalten. Das Projekt zeigt, dass Weitergeben statt neu bauen nicht nur eine ökologische und ökonomische Entscheidung ist, sondern auch eine soziale: Das Ensemble bleibt allen Generationen gemeinsam erhalten und kann weiterhin als familiärer Lebensort genutzt werden.

Schnitt durch das Hauptgebäude
Grundriss EG