ArchitekturStadtentwicklung
AktivierungProzesse
Status:laufend
Zeitraum:2024 (Realisierung)
Ort: Fürstenried West, München
Auftraggeber:HINES Immobilien GmbH i.A. der Bayerischen Versorgungskammer
Projektteam:Jan Kurz, Leila Unland, Sabrina Witzlau, Kollektiv belwerk, Zimmerei Plan B sowie die Mitwirkung engagierter Baustellenfirmen aus Fürstenried West
Projektwebsite Nachbarschaft FÜRstenried:Link

Direktrecycling Kiosk "Zur FÜRstin"

Aus der Nachbarschaft für die Nachbarschaft

Der Kiosk in Fürstenried West wurde in Zusammenarbeit mit Belwerk und Plan B als Pilotprojekt für zirkuläres Bauen mit lokal wiederverwendeten Materialien errichtet. Aus Abriss- und Umbauprojekten in unmittelbarer Nähe wurden Baumaterialien wie Fenster, Türen und Bleche gewonnen und für den Bau des Pavillons neu kombiniert. Durch den bewussten Umgang mit den gebrauchten Materialien entsteht eine eigenständige architektonische Qualität. Seit seiner Fertigstellung im August 2024 dient der Kiosk als sozialer Treffpunkt und ist fester Bestandteil der Quartiersentwicklung im Viertel.

Ein Kiosk als Pilotprojekt für die Bauwende!

Das Ziel, den kleinen Pavillon „maximal lokal“ mit wiederverwendbaren Baumaterialien zu errichten, ist geglückt: Aus den Baustellen, die derzeit in unmittelbarer Nähe zum Standort des Kiosks laufen, konnten wir verschiedene „Urbanen Minen“ aufspüren und bekamen Unterstützung der werkenden Firmen, um Materialien auszubauen und für unser Klein-Projekt nutzbar zu machen. Ein wegen eines Ersatzneubaus zum Abriss freigegebenes 70er Jahre - Wohnhaus wurde zur Haupt-Ausbauquelle. Den lokalen Materialfundus ergänzen Dachflächen, die für Aufstockungen vorbereitet wurden, sowie Fenster, die im Zuge geplanter Fassadensanierungen nicht mehr benötigt wurden.

Gemeinsam Zukunft bauen

Der Erfolg des Projekts beruht vor allem auf der Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Belwerk und der Zimmerei Plan B, die sich auf unser experimentelles Vorgehen einließen und die Umsetzung möglich machten. Aufbauend auf unserem Entwurf für den Kiosk, der aus der Sichtung recycelter Materialien entstanden war und der gemeinsamen Begehung der Materialquellen, entwickelten die Zimmerer des Kollektivs Belwerk die Werk- und Detailplanung. Aus dem 200m entfernten Abrissgebäude wurden all jene Materialien ausgebaut, die für den Kioskbau direkt wieder - wenn auch in neuer Funktion und Fügung - eingebaut wurden. Die Balken für die Tragstruktur stammen aus lokal zugeschnittenem Holz von Bäumen, die ein Jahr zuvor im Zuge eines Tiefgaragenbaus gefällt wurden. Auf Pfahlgründungen montiert, übernehmen die Frischholzbalken nicht nur die Tragfunktion, sondern bilden – durch das Geschick der Zimmerer – zugleich die Rahmen der schweren Aluminium-Fenstertüren. Für die Dachdeckung kommen wiederverwendete Attikableche zum Einsatz, alte Fenster und Türen werden integriert, und eine ehemalige Treppenhausbrüstung dient heute als Theke. In der Zusammenarbeit entsteht ein Pavillonbau aus Recyclingmaterialien, der eine gestalterische und materielle Hochwertigkeit zeigt, die mit Neumaterial im vorhandenen Budget kaum möglich wäre.

Der Kiosk wurde im August 2024 fertiggestellt und wird seit September 2024 von unseren Stadtentwicklungsteam im Rahmen der sozialen Quartiersentwicklung betrieben. Er ist inzwischen fest im Alltag des Viertels verankert und bildet einen wichtigen Ort der Begegnung.